Der Apfeldieb. (Gottholf E.Lessing)
Hans Steffen konnte kaum vor Naschsucht noch die Dämmerung erwarten
und schlich sich in des Edelmannes Garten und plünderte den besten Apfelbaum.
Johann und Hanne konnten kaum vor Liebesglut die Dämmerung erwarten
und schlichen sich in eben diesen Garten und ungefähr an eben diesen Apfelbaum.
Hans Steffen, der im Baume oben saß und fleißig pflückt und aß ward mäuschenstill
damit ihn niemand finge und ihm seine Näschereien diesmal schlecht gelinge.
Doch bald vernahm er unten Dinge worüber er die Furcht vergaß und immer sachte weiteraß.
Johann warf Hanne in das Gras "Oh, Pfui " rief Hanne, "welcher Spaß , nicht doch Johann, ei was
oh schäme Dich, ein andermal oh, laß, schäme Dich hier ist es naß."
"Naß oder nicht, was schadet das, es ist ja reines Gras".
Wie dies Gespräche weiterlief ich weiß es nicht - wer braucht´s zu wissen.
Sie standen wieder auf und Hanne seufzte tief:"So schöner Herr, heißt das "bloß küssen? Das
Männerherz, kein einzges hat Gewissen.
Und wenn mir nun ein Unglück widerfährt, ein Kind mmm?
Wer nährt mir dann das Kind ? Kannst Du es mir ernähren?
"Ich?" sprach Johann "Die Zeit wirds lehren. Doch wrds auch nicht von mir ernährt,
der über uns wirds schon ernähren. Dem über uns vertrau.
Dem über uns! - Dies hörte Steffen. "Was denn, will das Pack mich äffen?
Der überr Ihnen - ei wie schlau. "Nein" schrie er , "laßt Euch ne andre Hoffnung laben."
Der über Euch ist nicht so toll, wenn ich ne´n Bankert nähren soll, so will doch selbst
gedrechselt haben".
Wer hier erschrak und aus dem Garten rann, das waren Hanne und Johann.
Und zeigten sie dem Edelmann den Apfeldieb wohl an?
Ich glaube nicht, daß sie´s getan.